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# Überraschender Rückzug: Richtungsweisender Prozess um Social-Media-Sucht geplatzt
- URL: https://www.suedtirolmagazin.it/uberraschender-ruckzug-richtungsweisender-prozess-um-social-media-sucht-geplatzt/
- Published: 2026-07-22T23:52:45.000Z
- Updated: 2026-07-22T23:52:45.000Z
- Author: Patrick Graber
- Tags: Digitales & Technik, Welt

**In den USA wurde ein mit Spannung erwartetes Gerichtsverfahren gegen den Meta-Konzern überraschend gestoppt. Ein 15-Jähriger zog seine Klage wegen angeblicher Social-Media-Sucht kurz vor Prozessbeginn zurück. Während Konkurrenten wie TikTok und YouTube Millionen zahlten, gibt sich Meta siegreich – und offenbart überraschende Nutzungsdaten.**

Es hätte der nächste große Schlag gegen Big Tech werden sollen: Vor einem Gericht in Los Angeles sollte in dieser Woche geklärt werden, ob der Facebook- und Instagram-Mutterkonzern Meta für die Suchterkrankung und die mentalen Gesundheitsprobleme des Jugendlichen R.K.C. verantwortlich ist. Doch kurz bevor die Geschworenen ausgewählt wurden, zogen die Anwälte des Teenagers die Reißleine.

Der 15-Jährige aus Florida zog seine Klage gegen Meta vollständig zurück. Wie seine Anwälte Emily Jeffcott und Rahul Ravipudi mitteilten, wolle ihr Mandant das jahrelange juristische Kapitel endlich abschließen, um sich voll und ganz auf seine Genesung und Therapie zu konzentrieren.

### Vergleiche mit TikTok, YouTube und Snapchat

Gänzlich leer geht die Familie des Jugendlichen allerdings nicht aus. Gegen die übrigen Beklagten – TikTok, die Google-Tochter YouTube und Snapchat – erzielte die Klägerseite kurzfristige, außergerichtliche Vergleiche. Wie in solchen US-Verfahren üblich, floss im Gegenzug für die Einstellung des Verfahrens Geld, über dessen genaue Höhe Stillschweigen vereinbart wurde.

Meta zeigte sich jedoch unnachgiebig und verweigerte jeden Vergleich – offenbar mit Erfolg. Ein Konzernsprecher betonte nach dem Rückzug, dass Meta im Gegensatz zur Konkurrenz keinerlei Entschädigung oder Abfindung an den Jugendlichen gezahlt habe.

### Meta schießt zurück: Nutzungsdauer lag bei wenigen Minuten

Vor Gericht hatte der Tech-Riese die Vorwürfe vehement zurückgewiesen und die Glaubwürdigkeit der Klage untergraben. Nach Angaben von Meta zeigten die internen Daten des Konzerns, dass der Jugendliche die Apps Facebook und Instagram im Schnitt **nur wenige Minuten am Tag** genutzt hatte – von einer schweren Abhängigkeit könne daher keine Rede sein.

Zudem warf Meta der Gegenseite ein Berechnungskalkül vor: Ein Großteil der Social-Media-Konten des Teenagers sei überhaupt erst angelegt worden, nachdem seine Familie bereits Anwälte eingeschaltet hatte, um eine Klage vorzubereiten.

### Wichtiger Präzedenzfall für Tausende Kläger

Der Fall von R.K.C. hatte in der US-Rechtswelt große Aufmerksamkeit erregt, da er als sogenannter *Bellwether Trial* (Musterprozess) eingestuft war. Die Ergebnisse solcher Verfahren gelten als richtungsweisend für Tausende ähnliche Klagen, die derzeit von Familien, Jugendlichen und US-Schulbezirken gegen die Betreiber sozialer Netzwerke anhängig sind. Den Konzernen wird vorgeworfen, ihre Algorithmen bewusst so zu gestalten, dass sie Kinder und Jugendliche süchtig machen.

Erst im Frühjahr hatte ein ähnliches Verfahren für Aufsehen gesorgt, als eine 20-jährige Klägerin vor demselben Gericht in Los Angeles rund 6 Millionen US-Dollar Schadenersatz von Meta und Google erstritt.

Dass der aktuelle Musterprozess nun ohne Urteil gegen Meta endet, verschafft dem Konzern vorerst eine Atempause – auch wenn die Welle an weiteren Zivilklagen in den USA damit keineswegs gestoppt ist.