Gröden ist bekannt für seine Schnitzkunst, seine steilen Felswände und die Menschen, die das Handwerk im Blut tragen. Doch manchmal braucht es keine große Werkstatt und kein lautes Stemmeisen. Manchmal reicht ein kleiner Tisch am Fenster, ein Glas Wasser und der Blick hinaus in die Dolomiten.
Auf dem Tisch steht immer dasselbe: ein Wasserglas, leicht getrübt von den Farben der letzten Stunden, ein paar Pinsel mit weichen, schon etwas ausgefransten Spitzen und eine Palette voller Acryl- und Ölfarben. Hier sitzt Eleonora Mussner Putzer. Wenn sie den Pinsel ansetzt, wird es ganz still im Raum. Nur das leise, vertraute Reiben der Borsten auf der Leinwand ist zu hören.
„Ich male mit meinem ganzen Herzen, es ist mein allerliebstes Hobby. Mein großes Glück war, diese Kunst aus meiner Heimat Gröden sprichwörtlich in die Wiege gelegt zu bekommen.“
— Eleonora
Wenn der Berg rosa wird
Eleonora malt nicht, weil sie muss. Sie malt aus einem ganz einfachen, tiefen Bedürfnis: Weil draußen im Tal der Berg gerade dieses magische, unverwechselbare Abendrot annimmt – das Enrosadira – und sie dieses Leuchten auf die Leinwand bannen will, bevor die Dämmerung es wieder grau färbt.
Angefangen hat alles ganz still. Ein Tiroler Wappen für die Stube, ein paar bunte Wiesenblumen, ein sonnenverbrannter Bauernhof im Herbstlicht. „Nur so nebenbei“, dachte sie damals. Doch die Nachbarn und Freunde blieben stehen: „Kannst du mir das auch malen?“ Im Sommer kamen Gäste und Wanderer dazu, die fasziniert zusahen und fragten: „Hast du das wirklich selbst gemalt?“









Keine Galeriebilder, sondern echte Erinnerungen
Ihre Werke wollen keine kühle, abstrakte Museumskunst sein. Es sind ehrliche Heimatbilder voller Seele. Wer durch ihre Bilder blickt, erkennt Südtirol sofort in all seinen Facetten wieder:
- Das leuchtende Weiß und das warme Holz alter Bauernhöfe und Gasthöfe im Schnee.
- Das markante Ensemble von St. Magdalena in Villnöß vor den schroffen Zacken der Geisler.
- Die goldene Herbstlerche vor den bleichen Felswänden der Seiser Alm.
- Der stille Bergsee, der den klaren Himmel spiegelt, und der versunkene Kirchturm im Reschensee.
- Aber auch andächtige Madonnenbilder mit dem Kind, die an die jahrhundertealte Tradition der Grödner Kunst anknüpfen.
Manchmal verwischt ein Übergang. Manchmal gerät eine Bergflanke etwas wuchtiger als in der Natur. Dann lächelt Eleonora nur verschmitzt:
„In meiner Malerei darf der Berg genau so groß sein, wie ich ihn in meinem Herzen fühle.“
Genau das spüren die Menschen. Ihre Bilder sind ein Stück Südtirol zum Mitnehmen – ein Fenster zur Heimat, das man sich an die Wand hängt, um sich an langen Winterabenden daran zu erinnern, wie der Sommer auf der Alm riecht oder wie das Licht über dem Langkofel versinkt.
Ein stiller Feierabend
Wenn draußen die Schatten lang werden und das letzte Werk auf dem Tisch trocknet, spült Eleonora die Pinsel aus, stellt das Glas zur Seite und schließt das Fenster. Sie weiß genau: Morgen bricht über den Bergen ein neuer Tag an. Und mit ihm neue Farben, die nur darauf warten, festgehalten zu werden.
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(Fotos & Kunst: Eleonora, Grödner Hobbymalerei)