Es sollte ein weltweites Vorzeigeprojekt für den digitalen Jugendschutz werden, doch die Realität holt die Politik in Down Under schneller ein als gedacht. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Das strikte Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren scheitert bereits an der ersten Hürde – der Alterskontrolle. Die Tech-Plattformen schauen offenbar weg.

Als Australien Ende 2025 als erstes Land der Welt ein nationales Gesetz verabschiedete, das Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube verbietet, war der internationale Beifall groß. Endlich griff eine Regierung hart durch, um die mentale Gesundheit der Jugend vor den Suchtmechanismen der
Algorithmen zu schützen. Doch ein Gesetz ist immer nur so gut wie seine Durchsetzung. Und genau hier klafft laut Experten ein riesiges, fast schon peinliches Loch.

50 Test-Accounts, null Kontrollen

Wie eine neue Untersuchung der Testfirma KJR – die ursprünglich sogar der australischen Regierung beim Design des Systems geholfen hatte – offenlegt, ist das Umgehen der Sperre ein Kinderspiel. Für die Studie wurden 50 Test-Accounts auf den zehn Plattformen erstellt, die gesetzlich reguliert sind. Bei der Anmeldung wurde schlicht ein gefälschtes Geburtsdatum angegeben, das den Nutzer als 16 Jahre alt auswies. Das ernüchternde Ergebnis: Neun von zehn Plattformen verlangten keinerlei Nachweis. Kein Personalausweis, kein Gesichts-Scan per Kamera, keine Verifizierung. Die Accounts wurden sofort freigeschaltet. Einzige rühmliche Ausnahme war die australische Streaming-Plattform Kick, die die Anmeldung ohne echten Altersnachweis verweigerte. Bei den globalen Tech-Riesen wie Meta (Facebook, Instagram) oder Alphabet (YouTube) spazierten die
Tester einfach ungehindert durch die digitale Vordertür.

Die Kontroll-Plattformen im Überblick

Plattform / Betreiber Betroffen vom Verbot Altersprüfung im Test
Instagram / Facebook (Meta) Ja Fehlgeschlagen / Keine Prüfung
TikTok (ByteDance) Ja Fehlgeschlagen / Keine Prüfung
YouTube (Alphabet) Ja Fehlgeschlagen / Keine Prüfung
Kick (Australien) Ja Erfolgreich / Nachweis gefordert

Schwere Schlappe für die Regulierer

Das Gesetz sieht eigentlich drakonische Strafen von bis zu 54,6 Millionen australischen Dollar (ca. 36 Millionen US-Dollar) für Plattformen vor, die systemisch versagen. Die zuständige Online-Sicherheitskommissarin Julie Inman Grant betonte zwar, dass im Vorfeld des Verbots Millionen von Konten Minderjähriger gelöscht wurden, doch das nützt wenig, wenn sich
dieselben Teenager binnen zwei Minuten mit einem neuen, gefälschten Account wieder anmelden können.

Eine separate Erhebung untermauert das Desaster: Drei Monate nach Einführung des Verbots nutzten immer noch über 85 Prozent der australischen Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren weiterhin Social Media – schlichtweg, indem sie bei der Registrierung angaben, bereits über 16 zu sein.

Ein warnendes Signal für Europa

Die Entwicklungen in Australien werden auch in Europa und Italien mit Argusaugen beobachtet, da auch hierzulande Politiker immer lauter über Altersverifikationen oder Netzsperren für Minderjährige nachdenken. Das Experiment zeigt jedoch eindrücklich, dass rein rechtliche Verbote ohne eine absolut lückenlose, technische Umsetzung wirkungslos verpuffen. Solange
der älteste Trick der Internetgeschichte – das Flunkern beim Alter – ausreicht, bleibt digitaler Jugendschutz ein zahnloser Papiertiger.