Wochenlanges Bangen nach einer unbemerkten Atemwegsblockade: Ein Kleinkind aus Südtirol hatte im Urlaub ein Nussstück verschluckt. In der Spezialabteilung des Krankenhauses Treviso gelang Ärzten in einer 90-minütigen Operation die Rettung.

Ein scheinbar harmloser Moment im Familienurlaub entwickelte sich für eine Südtiroler Familie zu einem zweiwöchigen Albtraum: Während eines Aufenthalts in Jesolo hatte ein gerade einmal 20 Monate altes Mädchen beim Essen versehentlich ein Stück einer Haselnuss eingeatmet. Nach einem kurzen Hustenanfall schien sich das Kind zunächst wieder zu beruhigen – doch der Schein trügte.

Das Nussfragment war tief in die Atemwege gelangt und hatte sich im rechten Hauptbronchus festgesetzt. Erst Tage später traten ernsthafte Warnsignale auf: Anhaltender Reizhusten, pfeifende Atemgeräusche beim Luftholen und wiederkehrende Fieberschübe deuteten auf eine beginnende Entzündung des Lungengewebes hin. Nachdem die Ursache in Südtirol lokalisiert worden war, veranlassten die Ärzte die umgehende Verlegung in das Regionalkrankenhaus Ca’ Foncello in Treviso, das über eine spezialisierte pädiatrische Atemwegschirurgie verfügt.

90 Minuten Präzisionsarbeit im Operationssaal

Im Krankenhaus von Treviso bestätigte sich der Ernst der Lage: Die feuchte Umgebung im Bronchialtrakt hatte dazu geführt, dass die Nuss aufquoll und schließlich in sechs separate Teile zerbrach. Jeder einzelne Fremdkörper drohte den Luftstrom weiter abzuschnüren und irreversible Schäden am empfindlichen Lungengewebe des erst 11 Kilogramm leichten Mädchens zu verursachen.

In einem hochkomplexen, minimalinvasiven Eingriff unter Vollnarkose gelang dem Ärzteteam der Durchbruch: Über eine starre Bronchoskopie manövrierten die Spezialisten mikrochirurgische Zangen durch die engen Atemwege des Kleinkinds. In einer anderthalbstündigen Geduldsprobe wurden alle sechs Nussfragmente millimetergenau geborgen, ohne die Bronchien zu verletzen.

Warnung der Mediziner vor Nüssen bei Kleinkindern

Das Mädchen hat den Eingriff gut überstanden und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Die behandelnden Ärzte nehmen den Fall jedoch zum Anlass für einen dringenden Appell an alle Eltern: Bei Kindern unter vier Jahren sollte auf ganze oder grob gehackte Nüsse – insbesondere Haselnüsse, Erdnüsse und Mandeln – grundsätzlich verzichtet werden.

Wegen des noch unvollständig entwickelten Schluck- und Kauvermögens sind Fremdkörperaspirationen in diesem Alter lebensgefährlich. Gelangen ölige Pflanzenfragmente in die Lunge, drohen neben akuter Erstickung schwere Fremdkörper-Pneumonien und dauerhafte Lungenschäden.