Die italienische Regierung diskutiert über mehr Flexibilität beim Renteneinstieg: Ein Vorstoß der Lega sieht die Rente mit 64 Jahren vor. Doch für die Arbeitnehmer hätte das Modell einen teuren Haken.

Mit dem anstehenden Haushaltsgesetz rückt das italienische Rentensystem erneut in den Fokus: Während das reguläre gesetzliche Pensionsalter künftig an die steigende Lebenserwartung angepasst werden soll, treibt das Arbeitsministerium in Rom Pläne für einen früheren Ausstieg aus dem Berufsleben voran. Im Zentrum der Verhandlungen steht ein Vorschlag von Arbeits-Staatssekretär Claudio Durigon (Lega): Arbeitnehmer sollen künftig bereits mit 64 Jahren in den Ruhestand gehen können.

Die Bedingungen für den Ausstieg mit 64

Bislang steht der Vorruhestand mit 64 Jahren nur jenen offen, die rein dem Beitragssystem unterliegen (Arbeitsbeginn nach dem 1. Januar 1996), mindestens 20 Beitragsjahre vorweisen und eine monatliche Mindestrente in Höhe des Dreifachen der Sozialbeihilfe (Assegno Sociale – aktuell rund 1.638 Euro brutto) erreichen.

Die Reform zielt darauf ab, diese Möglichkeit auch auf Arbeitnehmer im Mischsystem (Beitragszahlungen vor 1996) auszuweiten. Voraussetzung wären voraussichtlich mindestens 25 Beitragsjahre sowie die Bereitschaft, die gesamte Rente rückwirkend rein nach dem Beitragssystem neu berechnen zu lassen.

Der TFR-Hebel und die Kritik der Gewerkschaften

Um die geforderte Mindestrentenschwelle zu erreichen, plant das Ministerium einen umstrittenen Kniff: Beschäftigte sollen ihr angespartes Abfertigungsguthaben (TFR) in eine monatliche Zusatzrente umwandeln dürfen, um die Lücke zum geforderten Betrag zu schließen.

Gewerkschaften wie die CGIL üben daran scharfe Kritik: Das Modell bürde die gesamten Kosten des früheren Ruhestands den Arbeitnehmern auf. Wer früher gehe, verliere dauerhaft hunderte Euro an monatlicher Rente und verpfände zugleich die Liquidität seiner Abfertigung, die eigentlich als finanzielle Reserve für größere Ausgaben im Alter gedacht sei. Die Verhandlungen im Regierungslager über die Finanzierbarkeit der Maßnahme laufen auf Hochtouren.