Die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gerät erneut ins Zentrum der Migrationskrise: Gegen den ausdrücklichen Protest der örtlichen Stadtregierung lässt Spaniens Zentralregierung nun ein Zeltlager direkt im Industriehafen errichten.
Die anhaltend hohen Ankunftszahlen von Geflüchteten und Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta haben zu einem offenen Konflikt zwischen der Zentralregierung in Madrid und den örtlichen Behörden geführt. Da die regulären Aufnahmeeinrichtungen (CETI) der Stadt seit Wochen überfüllt sind, schaffte das spanische Innenministerium nun Fakten und begann mit der Errichtung eines provisorischen Zeltlagers direkt auf dem Gelände des Hafens von Ceuta.
Frontalangriff auf die lokale Autonomie
Die Maßnahme sorgt vor Ort für massive Empörung: Die Stadtführung und die Hafenbehörde wurden nach eigenen Angaben vorab weder konsultiert noch um Erlaubnis gefragt. Regionalpolitiker sprechen von einem inakzeptablen Eingriff in die kommunale Verwaltung und verweisen auf erhebliche Sicherheitsbedenken. Ein Industrie- und Fährhafen, der das wirtschaftliche Nadelöhr Ceutas zum europäischen Festland darstelle, sei für die Unterbringung von Menschen denkbar ungeeignet.
Die Regierung in Madrid verteidigt den Schritt hingegen als zwingend erforderliche Notmaßnahme im Rahmen des Katastrophenschutzes. Ohne die zusätzlichen Notunterkünfte drohe Schutzsuchenden die Obdachlosigkeit auf offener Straße.
Ruf nach Verteilung auf das Festland
Hinter dem Streit schwelt ein seit Jahren ungelöstes Strukturproblem: Ceuta und die Nachbarexklave Melilla liegen direkt an der afrikanischen Mittelmeerküste und sind die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union auf dem afrikanischen Kontinent. Lokalpolitiker fordern seit langem verbindliche Mechanismen, um neu ankommende Migranten unverzüglich und dauerhaft auf das spanische Festland sowie andere EU-Staaten zu verteilen, anstatt die Enklaven mit der Versorgung allein zu lassen.