Südtirol: Wenn Betreuung zur Belastung wird: Mein Weg durch das System der psychischen Gesundheit
Wer in Südtirol auf Unterstützung im Bereich der mentalen Gesundheit angewiesen ist, hofft auf Verständnis, Flexibilität und verlässliche Ansprechpartner. Doch was passiert, wenn etablierte Betreuungsstrukturen wegfallen und der Alltag mit den Institutionen von Druck statt von Rückhalt geprägt ist?
Ein Systemwechsel mit Spuren
Wenn wichtige Bezugspersonen im Betreuungsteam wechseln, bricht für Betroffene oft das mühsam aufgebaute Vertrauen weg. Genau diese Erfahrung mache ich seit einigen Monaten: Nach dem Weggang meiner bisherigen Ansprechperson fühle ich mich von der offiziellen Stelle zunehmend allein gelassen. Statt einer kontinuierlichen Begleitung regiert der Verwaltungsablauf.
Wie tief die Gräben zwischen bürokratischen Vorgaben und der Realität von Patienten sind, zeigte sich heute Mittag in aller Deutlichkeit.

Zwischen Angst, Druck und körperlicher Belastung
Ein einfacher Termin zur Medikamentenvergabe wurde durch eine Verkettung von Umständen zu einer enormen Belastungsprobe:
- Fehlende Flexibilität: Wegen eines platten Fahrradreifens informierte ich das Zentrum für Psychische Gesundheit (ZPG) vorab über meine Notlage. Da mir beim Busfahren extrem übel wird, bat ich um eine unkomplizierte Ausweichlösung – etwa die Verabreichung des Depots in der Psychiatrie oder eine Alternative bei der Anfahrt.
- Handeln aus Angst: Die Rückmeldung war eindeutig: Ich müsse kommen. Aus der Sorge heraus, bei einem Nichterscheinen behördliche Konsequenzen oder einen Polizeieinsatz zu riskieren – eine Situation, die ich in der Vergangenheit bereits im Ausnahmezustand erleben musste –, stieg ich trotz des mulmigen Gefühls in den Bus.
- Worte statt Empathie: Vor Ort stieß mein Anliegen nicht auf Verständnis. Ein Satz wie „Wir rennen Ihnen nicht hinterher“ macht deutlich, wie schnell Betroffene auf eine funktionale Ebene reduziert werden, anstatt ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.
Die Quittung für den erzwungenen Weg folgte prompt: Auf dem Heimweg im Bus überkam mich die Übelkeit so stark, dass ich mich übergeben musste und den verbleibenden Weg von 45 Minuten zu Fuß nach Hause zurücklegen musste.
Zeit für Bedenkzeit und klare Grenzen
Erfahrungen wie diese werfen grundlegende Fragen auf: Wie viel Empathie darf man von einem Gesundheitssystem erwarten? Und wo verläuft die Grenze zwischen notwendiger medizinischer Versorgung und unzumutbarer Schikane?
Ich habe mir in dieser Situation nichts vorzuwerfen. Ich habe rechtzeitig das Gespräch gesucht und meine Grenzen klar benannt. Dass diese Grenzen ignoriert wurden, lässt mich aktuell stark darüber nachdenken, wie die zukünftige Zusammenarbeit mit der Einrichtung aussehen kann und ob eine Pause bei den Terminen der richtige Schritt ist.
Hilfe für mentale Gesundheit darf nicht von Angst vor Konsequenzen getrieben sein. Sie muss auf gegenseitigem Respekt basieren – besonders dann, wenn der Weg zum Termin für den Patienten bereits eine Hürde darstellt.
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