Videobericht von tagesschau
* Im Fokus der Kritik steht das unendliche Scrollen, automatisierte Videos und verlockende Algorithmen.
* Dem Tech-Riesen droht eine Rekordstrafe von bis zu 12 Milliarden Euro, wenn das System nicht überarbeitet wird.
Das könnte die Nutzung von Instagram und Facebook radikal verändern: Die EU-Kommission greift im Rahmen des Digital Services Act (DSA) hart durch. Der Vorwurf: Die Plattformen von Meta seien bewusst so gestaltet, dass sie Nutzer – insbesondere Kinder und Jugendliche – süchtig machen. Jetzt fordert Brüssel drastische Änderungen. Sogar das Aus für das beliebte „unendliche Scrollen“ steht im Raum.
Wer kennt es nicht? Man öffnet kurz Instagram oder Facebook und wischt sich minuten- oder stundenlang durch den Feed, ohne dass der Strom an neuen Beiträgen jemals abreißt. Genau dieses „unendliche Scrollen“ (Infinite Scroll) ist der EU-Kommission nun ein Dorn im Auge. In einer vorläufigen Prüfung kommt die Behörde zu dem Ergebnis, dass die Mechanismen von Meta extreme Suchtpotenziale bergen – vergleichbar mit den Prinzipien von Glücksspielautomaten.
Was stört die EU-Kommission genau?
Nach dem neuen EU-Digitalgesetz (DSA) sind Tech-Konzerne dazu verpflichtet, die Risiken ihrer Angebote für die mentale Gesundheit von Jugendlichen zu prüfen. Das Ergebnis der EU fällt verheerend aus. Kritisiert werden vor allem:
- Der unendliche Feed: Dass der Nachrichtenstrom nie aufhört und beim Runterwischen immer sofort neue Inhalte nachladen.
- Autoplay-Videos: Clips, die ungefragt sofort anlaufen, um die Aufmerksamkeit zu fesseln.
- Hyper-personalisierte Algorithmen: Posts, die so extrem präzise auf das Verhalten des Nutzers zugeschnitten sind, dass man die App kaum noch weglegen kann.
Meta wehrt sich: Teenie-Accounts seien Schutz genug
Der Mutterkonzern Meta zeigt sich von den Vorwürfen uneinsichtig. Das Unternehmen betont, dass Kinder- und Jugendschutz höchste Priorität hätten und verweist auf die kürzlich eingeführten „Teen Accounts“, bei denen Bildschirmzeiten eingestellt und von Eltern kontrolliert werden können.
Das reicht der EU jedoch nicht. Die Kommission kontert, dass diese Schutzfunktionen technisch viel zu leicht ausgehebelt werden können und für weniger technikversierte Eltern kaum verständlich einzurichten seien.
Es droht eine Rekordstrafe von bis zu 12 Milliarden Euro
Sollte Meta nicht einlenken und konkrete Vorschläge zur Entschärfung des Suchtfaktors vorlegen (wie z. B. feste Bildschirmzeiten oder die Deaktivierung des Endlos-Feeds), drohen historische Konsequenzen.
Die EU kann Strafen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Im Fall von Meta entspricht das einer astronomischen Summe von bis zu 12 Milliarden Euro. Da für verschiedene Verfehlungen keine „Straf-Flatrate“ gilt, könnten sich die Bußgelder bei mehreren Verfahren sogar noch weiter summieren.
Fazit: Der Druck auf Social Media wächst rasant
Für uns Internetnutzer zeigt dieses Verfahren, dass das wilde Zeitalter der Tech-Giganten in Europa endgültig vorbei ist. Nach TikTok steht nun auch Meta mit dem Rücken zur Wand. Am kommenden Montag will zudem ein Beratungsgremium der EU-Kommission neue Vorschläge für strikte Altersgrenzen auf Social-Media-Plattformen vorlegen. Es bleibt spannend, wie Instagram und Co. in wenigen Monaten aussehen werden.