Es gibt Tage, an denen der eigene Verstand zu einem brennenden Haus wird und man einfach nur nach einem Ausweg sucht. Der 30. August 2023 war so ein Tag. Ich steckte in einer tiefen Krise. Ein vorangegangener Aufenthalt in der Psychiatrie hatte nicht gereicht; mein Nervensystem stand unter Dauerspannung, emotional völlig überreizt, zerrissen zwischen Ohnmacht und purer Verzweiflung.
In meiner Not suchte ich das Zentrum für psychische Gesundheit auf – der Ort, von dem man instinktiv hofft, dass er ein sicherer Hafen ist. Der Termin bei meiner Psychologin tat gut, doch die Zeit verflog wie im Flug. Die seelische Wunde war viel zu tief, um sie in einer einzigen Sitzung zu schließen. Nach dem Gespräch versuchte ich bei einem Kaffee verzweifelt, den inneren Sturm zu beruhigen. Ablenkung war unmöglich. Ich rief noch einmal an, bat um zusätzliche Zeit, doch der Nachmittag war ausgebucht.
Ich ging zurück. Ich konnte nicht anders. Vor Ort brachen alle Dämme: Tränen, Panik, ein völliger Kontrollverlust. Ich versuchte im Gespräch mit einer Krankenschwester Halt zu finden. Statt Beruhigung trat jedoch mein damaliger Psychiater hinzu und stellte mir ein Ultimatum: Ich solle das Gebäude verlassen, andernfalls werde die Polizei gerufen. In einem Zustand tiefster Verzweiflung klingen Drohungen wie blanker Hohn. „Wenn Sie glauben, das tun zu müssen, dann tun Sie es“, entgegnete ich. Ich konnte und wollte nicht einfach gehen – nicht, weil ich Ärger suchte, sondern weil ich in diesem Moment schlichtweg nicht wusste, wie ich allein draußen überleben sollte.
Wenig später standen zwei Polizisten vor mir. Sie redeten auf mich ein, forderten mich auf zu gehen. Doch mein Inneres schrie nur: Ich brauche Hilfe, ich kann hier nicht weg. Die Situation ließ sich nicht mehr beruhigen. Sie brachten mich zu Boden, um mir Handschellen anzulegen. In meiner Panik, am Boden liegend und komplett außer mir vor Stress, wehrte ich mich instinktiv gegen die Griffe. Nach Minuten des Ringens klickten die Handschellen. Sie führten mich über mehrere Stockwerke nach unten, setzten mich in den Streifenwagen und fuhren zur Polizeistation.
Dort folgte das Protokoll: Anzeige wegen „Widerstand gegen die Staatsgewalt“. Ein Beamter erklärte mir nach einem Telefonat mit der Staatsanwaltschaft, ich hätte enormes Glück gehabt, nicht direkt in einer Gefängniszelle gelandet zu sein.

Ja, ich war in einer absoluten Ausnahmesituation. Ich hatte mich den Anweisungen widersetzt, aber ich hatte vor allem um Hilfe gefleht. Ich hatte gefragt, ob ich wieder aufgenommen werden könne. In einer Facheinrichtung für seelische Notlagen hätte man sehen müssen, wie verzweifelt ich war – ein beruhigendes Medikament, ein medizinisches Gespräch oder ein Krankenwagen wären die menschliche Antwort gewesen, nicht Handschellen und ein Streifenwagen. Meine Meinung.
Seit diesem Tag war das Vertrauen in diese Institution und in den damaligen Psychiater komplett zerstört. Termine allein in einem Raum wurden zur reinen Qual. Auch heute, Jahre später, bleibt diese Narbe präsent: die bittere Erinnerung daran, was passieren kann, wenn ein Hilferuf als Straftat gewertet wird.
Seit diesem Tag war das Vertrauen in diese Institution und in meinen damaligen Psychiater T. komplett zerstört.
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